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Garwe trat aus dem Wald, und blieb einen Moment erstaunt stehen. Vor ihm lagen die niedergebrannten Reste eines kleinen Dorfes.
Das war nicht das Werk eines brutalen Raubritters, das war ihm sofort klar. Die verkohlten Leichen lagen teilweise auf den Feldern, wohin die Flammen einer brennenden Hütte nie gereicht hätten.
Fassungslos ging er über die verbrannte Erde, und versuchte einen Hinweis auf den Täter zu finden. Er hatte bereits einen starken Verdacht...
Ein leises Geräusch ließ ihn aus seinen Gedanken schrecken. Da rief jemand um Hilfe!
Es dauerte eine Weile, bis Garwe verstand, dass die Rufe von unter der Erde kamen.
Tatsächlich...eine der Hütten hatte einen Keller gehabt. Nachdem er die verbrannten Überreste des Fussbodens beiseite geräumt hatte fand Garwe einen Mann auf dem Boden liegen, dessen linker Arm unter einem verkohlten Balken eingeklemmt und ebenfalls...angekokelt war.
"Sind sie...sind sie alle tot?" fragte der Mann wispernd, während Garwe den Balken von ihm herunter zog.
"Sieht ganz danach aus" meinte der Feldscher achselzuckend. "Du willst sicher Rache nehmen?"
"Natürlich will ich das..." der Mann unterdrückte ein Schluchzen "Meine Gwenda...sie war doch noch so jung...und das Baby...es ist wohl nicht einmal mehr auf die Welt gekommen..."
"Dann kannst du dir hoffentlich einen Feldscher leisten?" Garwe zog den Mann vorsichtig aus den Trümmern, und legte ihn auf das verbrannte Gras.
"Ich habe alles verloren!" Der Mann sah ihn verzweifelt an.
"Schon gut, schon gut. Du bist ein kräftiger Kerl, du kannst sicher auch mit nur einem Arm genug Geld verdienen um mich irgendwann später zu bezahlen" meinte Garwe und tastete den verbrannten Arm ab.
"Mit nur einem..." Das Unbehagen auf dem Gesicht des Mannes war deutlich zu sehen.
"Ich fürchte, ich muss amputieren. Der Arm scheint tot zu sein. Sag mir Bescheid, wenn du etwas spürst" Garwe fuhr fort den verbrannten Arm abzustasten, bis...
"Aaaarrgh. Das tut weh!"
Garwe nickte. "Gut" meinte er nur, und zog ein dünnes Leinenband um den Arm oberhalb des Ellenbogens. "Du hattest großes Glück, dass du gerade kein Hemd getragen hast, sonst wäre deine Haut weitaus verbrannter"
"Das Hemd hing am Bett von meiner Gwenda" sagte der Mann leise. "Wegen...naja, du weißt schon, das macht die Geburt leichter" er schluchzte "Wenn die Hebamme mich nicht in den Keller geschickt hätte wäre ich mit meiner Gwenda gestorben, und vielleicht wäre das besser...diese Schmerzen bringen mich bald um!"
"Unsinn" Garwe streifte sein Hemd ab wobei ein leicht gebräunter Oberkörper sichtbar wurde. "Du willst doch Rache nehmen für deine Gwenda. Also sei tapfer und beiß die Zähne zusammen. Soll ich dich fesseln, oder hältst du still?" Der Feldscher begann ein Tuch um sein langes, kastanienbraunes Haar zu binden um es oben am Kopf zu halten.
"Ich...ich schaff das schon" meinte der Mann mit entschlossener Miene.
"Gut" Garwe zwängte dem Mann das dünne Ende eines Knüppels zwischen die Zähne "Dann beiß da drauf, damit deiner Zunge nichts passiert."
Er rieb seine Hände mit einer nach Knoblauch riechenden Flüssigkeit ein, holte ein sauberes Tuch aus seiner Tasche und platzierte darauf sein Werkzeug, das er ebenfalls mit dem übelriechenden Zeug einrieb.
Dann begann er mit einem Messer den verbrannten Arm abzuschneiden. Sein Patient hielt sich tapfer...bis die Sache mit dem Messer erledigt war, und Garwe die Knochensäge zur Hand nahm.
Der gesunde Arm des Patienten schoss vor, und riss den Feldscher am Arm...der darauf mit einem gut gezielten Hieb reagierte.
Der ohnmächtige Patient ließ die Behandlung widerspruchslos über sich ergehen, und erwachte erst, als Garwe ihm etwas Wasser übers Gesicht schüttete.
"Bin fertig. Der Stumpf dürfte in ein paar Wochen oder so verheilt sein, je nachdem ob du gutes Heilfleisch hast. Mein Name ist Garwe, und du schuldest mir die Kosten für eine Amputation. Ich hoffe, du erinnerst dich daran...du könntest noch einmal meine Hilfe benötigen."
Der Mann nickte. "Ich...ich habe einen Cousin in der Stadt...vielleicht wird er mir das Geld leihen...wenn du mitkommen willst..."
Garwe nickte "Klingt nach einem guten Plan"
Gemeinsam, der Einarmige etwas taumelnd, machten sie sich auf den Weg in die Stadt.
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